How I Podcast: In conversation with "Teenager Therapy"

4. September 2020
Wir sprechen mit Podcaster*innen aus allen Gesellschaftsschichten über ihre kreativen Prozesse und darüber, warum Audio eine der coolsten Möglichkeiten ist, eine Story zu erzählen.

Podcasts sind gut dafür geeignet, Verletzlichkeit zu zeigen. Du kannst sie aufnehmen, wann und wo du dich am wohlsten fühlst, sei es mit Freund*innen oder alleine, ganz ohne den Druck eines Live-Publikums. Diese Freiheit, sich auszudrücken, macht dieses Medium zu einem sicheren Raum für Podcaster*innen und Hörer*innen gleichermaßen. Du kannst in deinem Podcast frei darüber sprechen, was du gerade durchmachst. Die Chancen stehen gut, dass jemand anderes genau das Gleiche erlebt.

Dieser Gedanke hat den Schüler Gael und seine Klassenkamerad*innen Isaac, Kayla, Thomas und Mark zu ihrem Podcast Teenager Therapy inspiriert. Jede Woche führen sie offene Gespräche und veröffentlichen sie. Teenager Therapy lädt Hörer*innen dazu ein, sich die echten Probleme der Teenager*innen von heute anzuhören. Die Hoffnung dabei ist, dass Leute jeden Alters sich wohlfühlen, ihre ungeschliffenen Emotionen zu zeigen.

Jede Folge handelt von den Irrungen und Wirrungen im Alltag der fünf Hosts. Dabei sprechen sie über alle möglichen Themen, von Gefühlen der Isolation und performativem Aktivismus bis hin zu Netflix-Empfehlungen und Plänen für die Uni. Zum Aufnehmen setzt sich die Gruppe im Kreis auf ein Bett und eine Couch. Gelegentlich gibt es Besuch von Gästen und anderen Podcaster*innen. Die Gespräche sind komplett frei und werden nicht bearbeitet, um genau das widerzuspiegeln, was den fünf im Moment durch den Kopf geht. Die Unmittelbarkeit der Konversation verleiht dem Podcast eine gewisse Intimität. Der*die Hörer*in fühlt sich wie unter Freund*innen und lernt, wie andere mit ihren Problemen umgehen. Die Verletzlichkeit der Hosts ermutigt die Hörer*innen, sich Hilfe zu suchen, und erinnert sie daran, dass sie nicht alleine sind. Teenager Therapy ist eine Art Zeitkapsel für die Ängste einer jungen Generation. Gleichzeitig hält der Podcast das weitreichende persönliche Wachstum fest, das entsteht, wenn man die eigenen tiefsten Gefühle mit der Welt teilt.

Wir haben mit den Hosts von Teenager Therapy über ihren Podcasting-Prozess gesprochen und sie gefragt, was sie im Laufe der Zeit alles gelernt haben.

Was hat euch dazu bewegt, einen Podcast aufzunehmen?

Gael: Ich hatte das Gefühl, dass niemand über die Dinge spricht, die im Leben eines*einer Teenager*in vor sich gehen. Es gibt so viele Influencer*innen, aber keine*r von ihnen spricht über tiefgründige Themen oder teilt Erfahrungen, die sich auf die psychische Gesundheit auswirken. Ich wollte anderen zeigen, dass sie nicht alleine sind – wir alle machen diese Dinge durch und das ist auch voll okay.

Isaac: Ich habe bemerkt, dass andere Leute in meinem Alter ihre Probleme in sich hineinfressen und mit niemandem teilen. Nachdem viele Klassenkamerad*innen, die ich kaum kenne, mir von ihren Sorgen erzählten, habe ich mich gefragt, warum sie mir so vertrauen. Wollten sie sich so sehr von der Seele reden, dass sie ihre Gefühle der nächstbesten Person anvertrauten? Ich habe mir gewünscht, dass es für Leute in meinem Alter einfacher wäre, einen sicheren Raum zu finden. Wir sollten uns mit anderen austauschen können, ohne gleich dafür verurteilt zu werden. Als Gael mir von seiner Idee mit dem Podcast erzählt hat, war ich sofort Feuer und Flamme, und seitdem sind wir ein Team.

Was ist das Format eurer Show und wie habt ihr euch dafür entschieden?

Gael: Unser Format ist ganz einfach. Wir fünf setzen uns zusammen und nehmen uns dabei auf, wie wir über unterschiedliche Themen sprechen. Ich wollte, dass der Podcast so authentisch und zugänglich wie möglich rüberkommt. Und ich wollte, dass Verletzlichkeit ein zentraler Wert darin ist. Deshalb ist unser Podcast manchmal ziemlich emotional. Es ist alles komplett echt.

Was benutzt du für die Aufnahme?

Kayla: Wir nehmen normalerweise in Thomas’ Zimmer auf, drei von uns sitzen auf der Couch und zwei auf dem Bett. Die Couch und das Bett stehen sich gegenüber, sodass wir uns leichter anschauen können und Blickkontakt haben. Wir stellen die Mikrofonständer auf, passen die Höhe an, testen alles ein paar Mal und dann geht’s los.

Wie macht ihr Werbung für den Podcast?

Thomas: Wir haben schon viele verschiedene Methoden ausprobiert, aber Instagram war mit Abstand am effektivsten. Wir bezahlen Nutzer*innen mit einer mittelgroßen Fanbase, eine Beschreibung des Podcasts zu posten und uns zu taggen. Das allein hat unsere Beliebtheit massiv gesteigert.

Gibt es eine Sache, die ihr im Vorfeld gerne übers Podcasting gewusst hättet?

Thomas: Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie viel Zeit und Nerven Podcasting kosten kann. Schule, Sozialleben und den Podcast unter einen Hut zu bringen ist manchmal ganz schön überwältigend. Es gab viele Tage, an denen ich nicht mitmachen oder es einfach nur schnell hinter mich bringen wollte. Aber mit der Zeit ist es auf jeden Fall einfacher geworden.

Kayla: Ich wünschte, ich hätte den emotionalen Aspekt eines Gesprächs besser verstanden. Ich habe vorher nie wirklich meine wahren Gefühle gezeigt oder meinen Freund*innen von meinen persönlichen Problemen erzählt, aber seit wir mit dem Podcast angefangen haben, ist das anders. Manchmal war es definitiv schwer, mich auszudrücken, aber jetzt fällt es mir schon viel leichter.

Mark: Eine Sache, die ich gerne vorher gewusst hätte, ist, was wir mit unseren Worten bewirken können. Am Anfang dachte ich, das wird ein lustiges kleines Projekt. Als dann mehr Leute unseren Podcast hörten, haben wir richtig viele nette Kommentare und Nachrichten auf Instagram bekommen. Da hab ich dann erkannt, dass ich das Leben anderer Menschen tatsächlich positiv beeinflussen kann. Durch unseren Podcast können wir unsere Erfahrungen teilen und unsere Gefühle ausdrücken – und manchmal ist das alles, was die Leute brauchen: Geschichten, mit denen sie sich identifizieren können. Jetzt, da ich das alles weiß, möchte ich meinen Einfluss ausweiten. Ich wünschte nur, ich hätte das früher erkannt.

Isaac: Ich hätte gerne schon früher gewusst, dass ein Podcast nicht super formell oder durchgeplant sein muss. Es ist viel authentischer, einfach über ein Thema zu sprechen und ehrlich seine Gedanken und Meinungen zu teilen. Sag immer das, was du wirklich denkst, denn es gibt sicher Hörer*innen, die sich darin wiedererkennen.

Warum wolltet ihr eure Geschichte im Audioformat erzählen?

Thomas: Ich bin nicht unbedingt die selbstbewussteste oder attraktivste Person, aber ich liebe meine Persönlichkeit und stehe da voll und ganz zu mir. Und wenn Hörer*innen unsere Gesichter nicht sehen, müssen sie sich wirklich auf unsere Worte und die Emotionen in unseren Stimmen konzentrieren. Audio fühlt sich einfach authentischer an.

Mark: Podcasts sind einfach unglaublich praktisch. Du kannst sie dir überall anhören: während du Dinge erledigst, irgendwas im Haushalt machst, auf dem Weg zur Schule und so weiter. Wir möchten für unsere Hörer*innen da sein, und gibt es einen besseren Weg, als wortwörtlich direkt da zu sein, in ihren Ohren?

Was gefällt euch an Anchor besonders gut?

Gael: Ich bin total begeistert, wie einfach es ist, mit Folgen Geld zu verdienen. Wenn wir knapp bei Kasse sind, schalten wir in einer Folge einfach ein paar Ads. Das reicht dann meistens auch schon.


Was ist der Vorteil von so vielen Hosts?

Thomas: Wir haben alle unterschiedliche Perspektiven und Persönlichkeiten. Das macht die Diskussion viel interessanter und spannender. Außerdem ist ein starkes Team zur Unterstützung wichtig, wenn du deine Gefühle teilst.

"Be a great listener, especially with a guest. As the interviewer, you want to ask questions you audience wants to know. Your audience is here to listen to the guest, and you're the bridge between the two." –Mark Hugo
Welche Ratschläge könnt ihr anderen Podcaster*innen mit auf den Weg geben?

Thomas: Sei du selbst. Es ist leicht, seine Persönlichkeit zu verstecken und nur die „guten“ Seiten zu zeigen, aber die besten Podcasts werden von den authentischsten Menschen gemacht.

Kayla: Ich würde sagen: Trau dich, verletzlich zu sein. Manchmal fühlt es sich so an, als sei man die einzige Person, die etwas durchmacht, aber sobald du darüber sprichst, wirst du feststellen, dass du nicht alleine bist. Und wer weiß, vielleicht hilfst du sogar jemandem, indem du einfach nur deine Geschichte erzählst.

Gael: Sei einzigartig. Bevor du einen Podcast erstellst, frag dich: Warum sollten die Leute ausgerechnet dir zuhören? Was macht dich einzigartig? Was kannst nur du beitragen?

Mark: Mein Ratschlag ist, ein*e gute*r Zuhörer*in zu sein, besonders bei Gästen. Als Interviewer*in musst du die Fragen stellen, die dein Publikum interessieren. Die Hörer*innen möchten wissen, was der Gast zu sagen hat, und du bist das Verbindungsstück zwischen den beiden Parteien.

Isaac: Sei einfach du selbst und halte nicht mit deiner Meinung hinter dem Berg, nur weil vielleicht nicht alle so denken. Es ist okay, verletzlich oder anders zu sein, und ich habe immer noch Schwierigkeiten damit, das auszudrücken, aber das mag ich an unserem Podcast am liebsten. Du kannst üben, dich auf eine gesunde Art und Weise auszudrücken.

Was gefällt euch an eurem Podcast am besten?

Thomas: Ich finde es toll, dass wir damit Menschen helfen. Ganz egal, ob es eine Person ist oder Tausend, ich kann andere mit meinen Erfahrungen erreichen und sie aufmuntern. Dieses Gefühl, jemanden möglicherweise positiv zu beeinflussen, ist unglaublich und macht mich glücklich.

Kayla: Ich finde die Interaktion mit unseren Hörer*innen am besten. Ihre Instagram-Nachrichten, Kommentare oder Sprachnachrichten zaubern mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Es macht immer Spaß, mit ihnen zu schreiben.

Mark: Mir gefällt am meisten, dass wir unsere Erfahrungen teilen können. Ich dachte immer, ich wäre ganz allein mit meinen Problemen. Als ich das im Podcast erwähnt habe, meldeten sich einige Hörer*innen bei mir, weil sie genau das Gleiche fühlten. Das hat mich so glücklich gemacht. Ich würde sagen, dieser Podcast ist wie Therapie für mich.


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