11. Februar 2022

100 Leute davon zu überzeugen, sich deinen Podcast anzuhören, sieht erstmal nicht nach einer großen Herausforderung aus. Aber wie viele Podcast-Ersteller*innen bestätigen werden, ist es nicht immer einfach, Hörer*innen zu gewinnen, und es braucht eine ausgeklügelte Strategie, um deine Show früh in Schwung zu bringen.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Was sind schon 100 Hörer*innen? Zum einen sind sie ein aussagekräftiger Indikator dafür, dass deine Inhalte bei Nutzer*innen ankommen. Zum anderen sind sie einfach ein guter Meilenstein für neue Podcast-Ersteller*innen.

Womit fängst du also am besten an?

Arlan Hamilton, Host von „Your First Million“

Wir haben mit Arlan Hamilton, Unternehmerin, Autorin und Host von „Your First Million“ (Deine erste Million) darüber gesprochen, wie sie mit ihrer Show durchgestartet ist und wie aufstrebende Podcast-Ersteller*innen auch ohne ein bestehendes Publikum ihre ersten 100 Zuhörer gewinnen können.  

Du brauchst weder eine massive Social-Media-Präsenz noch eine große Marke, um Hörer*innen auf deinen Podcast aufmerksam zu machen. Was du dagegen schon brauchst, ist ein Gefühl für dein Publikum, Liebe zum Detail, Konsistenz und vor allem Geduld.

Lies weiter, wenn du Tipps dazu möchtest, wie du 100 Hörer*innen erreichst und wie du dann weitermachen kannst.

Konzentriere dich erst auf das „wer“, dann auf das „wie“

Wenn du einen neuen Podcast startest, solltest du zuerst klären, wen du ansprechen möchtest, bevor du darüber nachdenkst, wie du diese Menschen dazu bringen möchtest, sich deine Show anzuhören. Dazu musst du dich in die Lage deines Publikums versetzen.

„Ich habe die Hälfte meines Lebens damit verbracht, mein Online-Netzwerk aufzubauen“, sagt Arlan. „Jedes Mal, wenn ich etwas Neues anfange, denke ich darüber nach, wer das Publikum ist und welchen Mehrwert ich ihm mit meinem Projekt bieten kann.“

Im Fall von Arlan ist „Your First Million“ auf Hörer*innen zugeschnitten, die sich für ehrliche Gespräche darüber interessieren, was man tun muss, um eine Million Dollar zu verdienen, insbesondere People of Color, Frauen und Angehörige der LGBTQ+-Community.

Anstatt möglichst viele Menschen anzusprechen, z. B. Sportfans, solltest du dich auf Nischen konzentrieren. Um bei unserem Sportbeispiel zu bleiben: Beschränke dich lieber auf Fußballfans in Berlin. Du musst kein weltberühmter Experte sein, aber idealerweise verstehst du dein Publikum sehr gut, denn immerhin tauchst du in seine Welt ein.

Sobald du weißt, wer dein Zielpublikum ist, überleg dir, welche Themen bei diesen Hörer*innen am meisten Gesprächsbedarf erzeugen und welche Fragen sie beantwortet haben möchten.  Je besser du dein Publikum kennst, desto größer deine Chancen, seine Aufmerksamkeit zu erregen.


Löse die Probleme deiner Hörer*innen

Auf dem schnellsten Weg zu 100 Hörer*innen gibt es keine Abkürzungen. Der Weg dorthin besteht darin, den Menschen zu helfen – im Idealfall auf eine Art und Weise, die ihnen sonst nirgendwo geboten wird.<br wg-1="">
„Die wichtigste Taktik zur Gewinnung von Hörer*innen besteht darin, einen Podcast zu produzieren, der die Zeit einer Gruppe von Menschen wert ist“, sagt Arlan.

Das mag allzu simpel erscheinen, ist aber wahr. Wenn man den Menschen einen Mehrwert bietet, hören sie einem zu. Und was noch wichtiger ist, sie bleiben, um zuzuhören.

Laut Arlan sollte ein Podcast eines von 3 Dingen sein: nützlich, interessant oder unterhaltsam. Wenn mehr als eines dieser Kriterien erfüllt ist, umso besser! Hier sind ein paar Beispiele:

  • Kannst du deinen Hörer:innen zeigen, wie sie ihre Karriere vorantreiben oder ihr Leben verbessern können? Das ist nützlich.
  • Kannst du ihnen eine Geschichte erzählen oder Informationen vermitteln, die sie noch nie gehört haben? Das ist interessant.
  • Kannst du sie zum Lachen bringen oder in Atem halten? Das ist unterhaltsam.

Laut Arlan ist dein Wertversprechen entscheidend für die Gewinnung neuer Podcast-Hörer*innen.


Lege den Grundstein für deinen Podcast in den sozialen Medien

Soziale Medien sind der beste Ort, um Leute anzusprechen, die deine Interessen teilen, und sie zu deinem Publikum zu machen. Inhalte können sich auf diesen Plattformen schnell verbreiten, selbst wenn du keine große Fangemeinde hast.

„Jeder muss irgendwo anfangen“, sagt Arlan. „Such dir ein paar Plattformen aus, die interessant aussehen, und fang an, nach und nach etwas zu dem Thema zu posten, um das es in deinem Podcast gehen soll.“

Deine Strategie kann so einfach sein wie das Kommentieren von Nachrichten mit Bezug auf dein Thema. Du bittest ja niemanden um einen großen Gefallen, erinnert Arlan. „Du gewöhnst die Leute nur daran, dass du eine Stimme hast.“

Wenn dein Podcast online ist, teile einen 30–60 Sekunden langen Clip von deinem Lieblingsteil der Folge. Viele erfolgreiche Podcast-Ersteller*innen kündigen ihre Folgen so an, anstatt die gesamte Folge zu veröffentlichen. Achte einfach darauf, dass du deine Follower*innen auf einen Link verweist, über den sie die ganze Folge aufrufen können.


Buche Gäste, die Hörer*innen mitbringen

Wenn du einen Gast mit einer treuen Fangemeinde zu deinem Podcast einlädst, kann das deiner Show Glaubwürdigkeit verleihen und du könntest sogar einige ihrer Follower*innen für dich gewinnen.

Versuch gar nicht erst, irgendwelche A-Promis für deine Show zu gewinnen (es sei denn, du kennst sie persönlich, dann solltest du sie natürlich einladen). Geh stattdessen private und berufliche Netzwerke durch und suche nach potenziellen Gästen, die für deine Hörer*innen von Interesse sein könnten. Formuliere dann einen kurzen, durchdachten Pitch zu deinem Podcast, dem Publikum, das du erreichen willst, was den Gast so interessant macht und was für ihn dabei herausspringt.

Das kann ganz allgemein beispielsweise so aussehen:

Hey Jenny! Es ist schon eine Weile her, dass wir bei der Marketingagentur zusammengearbeitet haben, aber ich habe in den sozialen Medien immer mal wieder bei dir reingeschaut und fand deinen letzten Blogartikel richtig toll. In ein paar Wochen starte ich einen Podcast mit Karrieretipps für junge Marketingfachleute und ich denke, dass meine ersten Hörer*innen deine sachliche Sichtweise sehr schätzen würden. Damit es sich für dich lohnt, würde ich in meinen Show Notes einen Link zu deinem Newsletter veröffentlichen. Was hältst du davon?

Arlan empfiehlt auch, mit Podcast-Ersteller*innen im eigenen Umfeld zu sprechen und Gastauftritte zu tauschen: „Frag sie, ob sie Interviews mit dir tauschen wollen: Sie treten in deinem Podcast auf, du trittst in ihrem auf, und vielleicht gewinnt ihr beide eine Handvoll neuer treuer Hörer*innen.“

Gäste zu buchen kann ein effektiver Weg zum ersten Erfolg sein, wird aber langfristig den Erfolg einer Show nicht garantieren.

„Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man beliebte Gäste buchen kann, aber es ist keineswegs der einzige Weg, um mit Podcasts erfolgreich zu sein“, sagt Arlan. „Meine ersten 20 Interviews oder so waren mit Leuten, die eher unbekannt waren. Mein erster großer Gast kam erst 6 Monate nach dem Start des Podcasts. Und obwohl die Folge schon sehr oft angehört wurde, ist sie nicht die meistgehörte Folge.“


Verfasse eine unwiderstehliche Folgenbeschreibung

Wenn potenzielle Hörer*innen auf der Homepage deines Podcasts landen, lesen sie wahrscheinlich deine Folgenbeschreibungen, um zu entscheiden, ob sie sich die Folge anhören oder weitersurfen.

Eine Podcast-Folgenbeschreibung ist ein kurzer Text (2 bis 3 Sätze), mit dem du den Hörer*innen mitteilst, worum es in der Folge geht. Du hast nur ein paar Sekunden Zeit, um die Leute davon zu überzeugen, deine Show anzuhören. Hier sind ein paar Tipps, wie du den Text so ansprechend wie möglich gestalten kannst:

  • Errege Aufmerksamkeit, indem du Schlagworte einfügst. Das können beispielsweise Namen von Gästen, einer Marke oder Organisation oder popkulturelle Anspielungen sein.
  • Fass dich kurz. Die Spotify-Autoren empfehlen, Folgenbeschreibungen auf 3 Sätze zu beschränken.
  • Keine Spoiler! Dein Ziel ist, die Nutzer*innen dazu zu bringen, sich deinen Podcast auch tatsächlich anzuhören, also verrate nicht das Ende der Geschichte oder die Schlüsselinformation, mit der du sie locken willst.

Betrachte das folgende Beispiel aus „Your First Million“. Beachte, wie Arlan ihre Glaubwürdigkeit in der Start-up-Welt aufbaut und dann mit einem Cliffhanger endet: „Ich muss nur diese eine Sache über dich wissen, um dir sagen zu können, ob du erfolgreich sein wirst.“

Lade 10 Nutzer*innen ein, deine erste Folge zu teilen

Wenn du einen Podcast ohne Publikum startest, solltest du die einfachen Dinge nicht außer Acht lassen. Beispielsweise solltest du Menschen in deinem persönlichen Umfeld bitten, sich deinen Podcast anzuhören und Folgen zu teilen.

„Podcasts kann man sehr gut mit Familie und Freunden teilen“, so Arlan. „Wenn du nur 10 Freunde und Familienmitglieder dazu bringen kannst, sich deine erste Folge anzuhören, ist das schon eine gute Resonanz.“

Sie können deine Show zudem nicht nur dadurch unterstützen, dass sie deinen Podcast verbreiten, sondern auch den Kontakt zu anderen Podcast-Ersteller*innen herstellen und Feedback geben, damit du deine Inhalte mit jeder Folge verfeinern kannst.


Veröffentlicht ist besser als perfekt

Der Feinschliff eines Podcasts kostet Zeit. In den seltensten Fällen erreicht ein Podcast sein Potenzial innerhalb der ersten paar Folgen, also lass dich nicht entmutigen, wenn du es nicht auf Anhieb an die Spitze der Charts schaffst. Du hast den wichtigsten Schritt getan, indem du losgelegt hast!

„Ein Podcast muss weder teuer noch perfekt sein, aber er muss mit Sorgfalt produziert werden“, sagt Arlan. „In der Anfangsphase bekommt man nur zurück, was man investiert. Man kann nicht erwarten, dass der Erfolg aus heiterem Himmel kommt. Aber wenn man konsequent ist und Spaß an der Sache hat, sind die ersten Erfolge nicht weit.“

Jeder Podcast fängt bei 0 Hörer*innen an. Mit einem detaillierten Plan und einer Prise Geduld bist du aber auf dem besten Weg zu 100 Hörer*innen und mehr!