30. August 2021

Dieses Szenario kennen sicher viele Podcaster*innen: Du hast dein Mikro, dein Thema steht fest und du bist ganz heiß drauf, der Welt deine Geschichte zu erzählen. Aber sobald du mit der Aufnahme beginnst, fällt dir auf – ein Podcast kann so viele verschiedene Formen annehmen.

Manche Leute haben ein Talent fürs Geschichtenerzählen. Sie können stundenlang in ein Mikrofon reden und eine unterhaltsame, wohlüberlegte und fesselnde Show produzieren. Aber nicht allen fällt das leicht und vielleicht funktioniert dieses Format auch nicht für alle Shows.

Deshalb ist es wichtig, das richtige Format für den Podcast auszuwählen.

Die Art der Show wird durch Folgendes bestimmt:

  1. Erstellungsmethode
  2. Struktur und Stil der Show

Podcast-Formate sind für Podcaster*innen vor allem aus zwei Gründen wichtig:

  1. Sie bieten Hörer*innen Konsistenz. Fans wissen immer, was sie in der nächsten Folge erwartet.
  2. Sie bieten Podcaster*innen Konsistenz. Sobald du dich für ein Format entschieden hast, musst du nicht jedes Mal von vorne anfangen. Du hast bereits eine Vorlage für die Strukturierung der Folge, was die Produktion erleichtert.

Creator*innen sollten sich über die gängigen Podcast-Formate informieren, um zu entscheiden, was für ihre Show geeignet ist. In diesem Artikel besprechen wir sieben beliebte Formate und teilen Insights von Podcaster*innen, die mit diesen Formaten arbeiten.


Der Solo-Podcast

In einem Solo-Podcast befasst sich ein Host mit einem oder mehreren Themen pro Folge. Er*sie verwendet einen Monologstil, um Hörer*innen durch die Gesprächspunkte zu führen.

Carefree and Black Diaries ist ein Solo-Podcast, der von Shaakira White gehostet und produziert wird. In der Show behandelt Shaakira Themen aus dem Bereich Kultur, Politik, Musik, Bildung und allem, was sie interessant findet.

Shaakira White, Host von Carefree and Black Diaries


Vorteile

  • Solo-Podcasts sind einfacher zu produzieren, weil sich die Creator*innen nicht auf die Verfügbarkeit von Gästen oder Co-Hosts verlassen müssen.
  • Solo-Podcasts bieten Hörer*innen oft ein intimeres Erlebnis. Laut Shaakiras Fans geben ihre Folgen ihnen das Gefühl, als spreche eine Freundin zu ihnen.
  • Du hast die vollständige Kontrolle über den Aufnahme- und Bearbeitungsprozess. Du kannst die Abschnitte genau so planen, wie du sie aufnehmen möchtest. Und wenn dir mal ein Abschnitt nicht gefällt, kannst du ihn einfach nochmal aufnehmen.

Herausforderungen

  • Bei Solo-Podcasts kann es schwierig sein, das Interesse der Hörer*innen zu halten. Liebst du Erzählungen in Langform? Wie groß ist die Auswahl der Themen, über die du sprechen kannst? Denk über deine Stärken nach, denn die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums ist nur auf dich gerichtet.
  • Die Arbeit an einem Solo-Podcast kann einsam werden. Du hast schließlich niemanden, mit dem du zusammenarbeiten oder dir neue Konzepte für die Show überlegen kannst. Dieser Einsamkeit lässt sich aber entgegenwirken. Vernetze dich mit anderen Podcaster*innen und baue eine Community mit deinen Hörer*innen auf Social Media auf.

Der Interview-Podcast

Interview-Podcasts sind Shows, in denen Hosts in jeder Folge mit einem Gast sprechen. Diese Art von Podcast ist eine der häufigsten, da sie logistisch nicht so aufwendig sind – wichtig ist nur, dass du in jeder Folge einen Gast hast.

PODCAST NOOR ist ein Interview-Podcast, der von der preisgekrönten Journalistin und Podcasterin Noor Tagouri gehostet wird. Sie arbeitet mit ihren Gästen zusammen, um die Interviews für ihre Show zu optimieren. „Ich frage sie, welche Geschichten sie gerne erzählen möchten, Dinge, über die sie vielleicht nicht so oft sprechen“, sagt Noor, „oder ob sie gerne etwas klarstellen oder in eigenen Worten wiedergeben möchten.“

Noor Tagouri, Host von PODCAST NOOR


Vorteile

  • Interview-Podcasts sind oft weniger aufwendig in der Produktion. Diese Shows basieren auf zwei Personen, die ein Gespräch führen. Das macht sie einfacher zu produzieren als Non-Fiction- oder Fiction-Podcasts, die in der Regel ein komplexeres Sounddesign erfordern.
  • Es kann einfacher sein, die Reichweite zu erhöhen. Deine Folgen werden meistens automatisch auch von den Fans deiner Gäste angehört, deshalb wächst die Fangemeinde von Interview-Podcasts oft schneller als die anderer Arten.

Herausforderungen

  • Manchmal ist es schwierig, Gäste zu bekommen. Deine Fähigkeit, interessante Menschen für deine Show zu gewinnen, bestimmt die Qualität des Podcasts. Wenn du dich für dieses Format entschieden hast, sollte es dir nichts ausmachen, immer wieder potenzielle Gäste anzuschreiben und in deine Show einzuladen.

Der Gesprächsrunden-Podcast

Gesprächsrunden- oder gesprächsbasierte Podcasts haben mehrere Hosts oder Sprecher*innen. Die Unterhaltung wird von einem Host moderiert und die Gruppe bespricht gemeinsam Themen oder interviewt Gäste. Diese Art von Show kann weniger strukturiert und lockerer sein als Solo- oder Interview-Podcasts.

Black Wealth Renaissance (BWR) ist eine Gesprächrundenshow, die von David F. Bellard Jr., Jalen Clark, Kelly Rhodes und Jarred Spiller produziert wird. Die vier Co-Hosts sprechen über persönliche Finanzen und Vermögen in der Schwarzen Community.

Das Team von „Black Wealth Renaissance“

Vorteile

  • Mit mehreren Co-Hosts können Aufgaben aufgeteilt werden. Nicht jedes Mitglied des BWR-Teams nimmt an jeder Folge teil. „Wenn einer von uns etwas Wichtiges zu tun hat, können die anderen die Folge trotzdem aufnehmen“, so BWR.
  • In einer Gesprächsrunde werden verschiedene Perspektiven vorgestellt. Das BWR-Team hat den Vorteil, dass es „in der Lage ist, unterschiedliche Perspektiven und Standpunkte zu teilen, die für aussagekräftigere Inhalte sorgen“.
  • Der Unterhaltungsfaktor ist groß. Fans von Gesprächrunden-Podcasts lieben die Scherze und die Kameradschaft dieser Shows.

Herausforderungen

  • Es kann eine Weile dauern, bis man ein eingespieltes Team ist. „Wir mussten viel dazulernen, bis wir ein gutes System hatten, bei dem alle in das Gespräch einbezogen werden, ohne sich gegenseitig zu unterbrechen“, so BWR.
  • Die Produktion von Folgen ist aufwendiger. Die Terminplanung beispielsweise ist mit mehreren Co-Hosts schwieriger. Wenn nicht alle in derselben Stadt leben, müssen sie die Produktion aus der Ferne koordinieren, was die Komplexität des gesamten Prozesses erhöht. Das Anchor Feature Mit Freund*innen aufnehmen 2.0 macht dies einfacher für Podcaster*innen.

Der erzählerische Non-Fiction-Podcast

In erzählerischen Non-Fiction-Podcasts führen die Hosts Interviews, berichten über vergangene oder aktuelle Ereignisse oder machen Liveaufnahmen zu besonderen Vorfällen oder geschichtlichen Themen an relevanten Orten. Dieses Format wird für die meisten Podcasts zum Thema True Crime und Geschichte verwendet, da Hörer*innen so auf immersive Weise in eine faktenbasierte Geschichte einbezogen werden.

American Hysteria ist eine erzählerische Non-Fiction-Show, die von Chelsey Weber-Smith gehostet und produziert wird. Sie erforscht die moralische Panik, Verschwörungstheorien, urbanen Legenden und das magische Denken, die bzw. das die amerikanische Kultur prägen bzw. prägt.

Chelsey Weber-Smith, Host von American Hysteria


Vorteile

  • Du hast die vollständige kreative Kontrolle und Freiheit. Chelsey sagt: „Gesprächsbasierte Shows bieten einfach nicht die gleiche Kontrolle, wie ich sie anscheinend dringend brauche.“ Du kannst die Storys genau so erzählen, wie du es möchtest.

    Außerdem kannst du verschiedene Arten von Audio einbauen, z. B. Interviews, Nachrichtenclips, Musik, Archivmaterial und mehr, um die Geschichte zu strukturieren und zum Leben zu erwecken.

Herausforderungen

  • Die Produktion dieser Shows ist sehr zeitaufwendig. Angefangen bei der Recherche, die erforderlich ist, um die Genauigkeit einer Show zu gewährleisten, bis hin zum Aufwand für die Aufnahme und die Bearbeitung, die nötig ist, um eine fesselnde Folge zu produzieren – Non-Fiction-Shows benötigen mehr Zeit für die Produktion.
  • Die Bearbeitung ist oft eine Herausforderung. Chelsey fällt es jedes Mal schwer, zu entscheiden, was sie in die Folgen aufnehmen und was sie lieber rausschneiden soll. „Wir schneiden immer wieder Geschichten raus, die wir toll finden, weil sich die Grundideen des Themas in eine andere Richtung entwickelt haben“, sagt sie.

Der Fiction-Podcast

Fiction-Podcasts enthalten Geschichten, die von den Hosts erzählt oder als Audiogeschichten für ihre Hörer*innen produziert werden. Für einige Podcasts werden Schauspieler*innen engagiert, um die verschiedenen Charaktere in den Shows zu spielen.

MOONFACE und Vermont Ave. sind Fiction-Podcasts, die von James Kim produziert werden. Jede Show ist eine Erzählung im Audioformat, die Hörer*innen in Echtzeit durch eine Geschichte führt.

James Kim, Host von MOONFACE


Vorteile

  • Du hast die vollständige kreative Kontrolle. Ähnlich wie bei erzählerischen Non-Fiction-Shows hast du hier die Möglichkeit, die Geschichten so zu gestalten, wie du es möchtest. Das Besondere an Fiction-Podcasts ist, dass du die Welt, in der die Geschichte spielt, selbst erschaffen kannst.
  • Mit Fiction-Podcasts lassen sich gute Geschichten testen. Eine Fiction-Show ist eine kostengünstige Möglichkeit, um zu testen, ob eine Story bei einem Publikum Anklang findet. Shows wie Homecoming waren zuerst als Podcasts erfolgreich, bevor sie für das Fernsehen adaptiert wurden.

Herausforderungen

  • Das Schreiben von Fiction-Podcasts ist schwer. James sagt: „Es passiert schnell, dass man zu ausführlich wird oder etwas schreibt, das zu kompliziert für Audio ist.“ Er empfiehlt, zusätzlich zum Dialog Sounddesign einzusetzen, um die Story rüberzubringen.
  • Gute Fiction-Podcasts sind technisch komplex. Eindrucksvolles Sounddesign erfordert fundierte technische Kenntnisse der Audio-Mixing-Tools. Wenn du gerade erst mit dem Podcasting anfängst, kann es eine Herausforderung sein, selbst anschauliche Klanglandschaften zu schaffen.
  • Nicht jede Geschichte funktioniert als Podcast. Du hast dir vielleicht bereits eine Geschichte ausgedacht, aber eignet sie sich für einen Podcast? James empfiehlt, sich bei der Ideensuche zu fragen: „Warum sollte diese Story im Audioformat erzählt werden?“

Der umformatierte Podcast

Umformatierte Podcasts sind Audioversionen bestehender Video- oder schriftlicher Inhalte. Youtuber*innen oder Blogger*innen, die Audioversionen ihrer Videos und Blogs erstellen, produzieren umformatierte Podcasts.

rSlash ist eine umformatierte Show, die von Youtuber Dabney Bailey gehostet wird. In jeder Folge stellt Dabney seinen Hörer*innen Reddit-Threads vor. Dabney produziert seine Show für YouTube und formatiert sie in einen Podcast um.


Vorteile

  • Folgen lassen sich sehr schnell produzieren. Wenn du bereits Videos aufnimmst oder einen Blog hast, kannst du deine Inhalte einfach zu einem Podcast umformatieren. Für seine Folgen braucht Dabney jeweils nur fünf Minuten, weil er nur Audioversionen seiner Videos erstellt.

    Du kannst Anchor verwenden, um deine Videos in Audiodateien zu konvertieren. Oder nutze die Anchor Integration mit WordPress, um Blogs in Podcast-Folgen umzuwandeln.
  • Diese Podcasts sind eine tolle Möglichkeit, dein Publikum zu erweitern. Einige deiner Fans möchten deine Folgen vielleicht gerne herunterladen und offline anhören. Podcasts sind ein großartiger Kanal, um dein bestehendes Publikum anzusprechen und deine Fangemeinde zu vergrößern.

    Nach Dabneys Erfahrung bevorzugen viele Leute Podcasts. „Diese Zielgruppe ist mir vorher komplett entgangen.“

Herausforderungen

  • Du hast unter Umständen weniger kreative Freiheit. Du formatierst bereits vorhandene Inhalte um, deine Innovationsmöglichkeiten sind also beschränkt.

Der experimentelle Podcast

Experimentelle Podcasts folgen keiner der traditionellen Podcast-Strukturen und haben einen ganz eigenen Stil. Hosts werden erfinderisch und kreieren ihr eigenes Format basierend auf ihren Interessen.

Sleep and Relax ASMR ist ein experimenteller Podcast mit ASMR-Klanglandschaften, die beim Entspannen und Einschlafen helfen sollen.


Vorteile

  • Du kannst tun, was auch immer du möchtest. Experimentelle Podcasts geben dir die Freiheit, jede beliebige Art von Show zu erstellen. Fiction- und Non-Fiction-Podcasts bieten zwar auch kreative Freiheit, aber du musst trotzdem eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Bei einer experimentellen Show kannst du einfach dein Ding machen und musst dich nicht an Vorgaben halten.

Herausforderungen

  • Es kann schwierig sein, motiviert zu bleiben. Eine experimentelle Show zu produzieren, die sich in jeder Folge neu erfindet, ist kein leichtes Unterfangen. George von „Sleep and Relax ASMR“ sagt: „… es kann eine Herausforderung sein, sich immer etwas Neues zu überlegen und sich gleichzeitig nicht zu weit von der Ursprungsidee wegzubewegen.“

Finde ein Podcast-Format, das für dich funktioniert

Jetzt, da du die Vorteile und Herausforderungen der einzelnen Formate kennst, kannst du dir eines aussuchen, das zu deinen Stärken und deinem Publikum passt.

Diese Formate sind einige der beliebtesten, aber das heißt nicht, dass es nicht noch andere gibt. Vielleicht hast du ja eine Idee für eine Show, die in keines der Formate passt oder mehrere kombiniert – das ist völlig in Ordnung. Podcast-Formate helfen dir beim Einstieg. Wenn du also keines findest, das für deine Show geeignet ist, kannst du dir jederzeit ein eigenes ausdenken, das zu deinem einzigartigen Blickwinkel passt.