24. Mai 2022

Sowohl Podcaster*innen als auch Hörer*innen wissen, dass ein Podcast mehr als nur eine Sammlung von Audiodateien ist. Dieses Medium spielt eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen und sorgt dafür, dass sie sich verstanden und zugehörig fühlen. Die Affinität, die du für deine Lieblingsshows verspürst, ist allerdings kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von effektivem Podcast-Branding. Bekleidungsmarken, Automarken und Süßwarenmarken sind dir wahrscheinlich alle ein Begriff – aber was bedeutet es, eine „Marke“ für einen Podcast aufzubauen? Einfach ausgedrückt bedeutet Branding die Entwicklung einer eindeutigen visuellen und akustischen Identität für deine Show. Dazu gehören der Name deines Podcasts, das Cover, die Musik für das Intro und Sprüche oder Phrasen, die du regelmäßig ins Gespräch einbaust. Das Inhaltsangebot von heute ist nahezu endlos, deshalb ist es wichtig, eine Identität zu entwickeln, die deinen Podcast herausstechen lässt. Podcast-Branding ist mehr Kunst als Wissenschaft, aber wir haben ein paar Best Practices gesammelt, mit denen du deine Show zum Hit machst. Lies weiter, um die Tipps von zwei Marketingprofis bei Spotify zu entdecken.

  • Greg Falconi: Senior Art Director für Talk Creative Marketing bei Spotify
  • Erin Safreno: Designerin für Talk Creative Marketing bei Spotify

Starte mit Selbstreflexion

Du kannst es bestimmt kaum erwarten, mit Konzepten für das Cover zu experimentieren oder dir Ideen für Folgen auszudenken, aber betrachte erst einmal das große Ganze. Um die Details kannst du dich später noch kümmern. „Das wichtigste Element, auf das du dich konzentrieren solltest, ist der Podcast selbst“, sagt Greg. „Sobald du deinen Standpunkt ausgearbeitet und das Ziel deines Podcasts verstanden hast, ergeben sich Dinge wie das Cover und die Präsenz auf Social Media ganz von selbst.“ Hier sind vier Fragen, die du dir zu Beginn stellen solltest:

  • Warum: Warum erstellst du diesen Podcast?
  • Was: Was bietet deine Show?
  • Wie: Wie erreichst du deine Ziele?
  • Wer: Wer ist deine Zielgruppe und wer ist deine Konkurrenz?

Sobald du mit deinen Antworten zufrieden bist, kannst du mit dem Aufbau deiner Marke beginnen.

Perfektioniere dein Messaging

Mit Messaging meinen wir die Art und Weise, wie du mit deinem Publikum kommunizierst, also was du sagst und wie du es sagst. „Achte darauf, dass dein Stil konsistent ist und bei deinen Hörer*innen Anklang findet“, sagt Erin. „Bist du eher traditionell oder progressiv? Exklusiv oder zugänglich? Ernst oder locker?“ Sehen wir uns einmal an, wie das Messaging die Marke deines Podcasts prägen kann.


Hinterlasse einen bleibenden Eindruck mit dem Namen

Der Name deines Podcasts gibt deinem Publikum einen Hinweis darauf, was es von der Show erwarten kann. Ein toller Name macht neugierig und gibt an, worum es in deiner Show geht (idealerweise in maximal 20 Zeichen). Oddvice ist ein tolles Beispiel. Der Name setzt sich aus den englischen Wörtern „Odd“ (seltsam) und „Advice“ (Ratschlag) zusammen. „Mit diesem Namen wird Hörer*innen auf witzige und kreative Art mitgeteilt, dass die Hosts keine Standardratschläge geben“, sagt Erin. „Sie sagen dir frei und unverblümt ihre Meinung, egal wie seltsam sie sein mag.“

Überzeuge das Publikum mit der Beschreibung

Die Beschreibung des Podcasts bietet dir die Gelegenheit, den Stil und die Persönlichkeit deiner Marke schriftlich zu präsentieren. Hostest du einen Comedy-Podcast? Verfasse eine unterhaltsame und ausdrucksstarke Beschreibung. Ist deine Show eher formell? Dann sollte der Text schlicht und geradlinig sein. „Podcaster*innen unterschätzen die Bedeutung der Beschreibung oft. Sie sollte sorgfältig ausgearbeitet werden, damit Hörer*innen genau wissen, worum es in der Show geht“, sagt Erin. Sieh dir die Beschreibung von „Oddvice“ an:


Hört zu, wie BFFs Kristen McAtee und Alex Koot die Höhen und Tiefen des Lebens navigieren. Beide sind in ihren Zwanzigern und wuchsen völlig unterschiedlich auf, wodurch sie unterschiedliche Perspektiven einbringen können. Jede Woche teilen sie persönliche Erfahrungen zu verschiedenen Themen und in der Folge darauf lesen sie eure Geschichten vor und beantworten eure Fragen. Es wird lustig, es wird ernst, eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle. Also haltet euch gut fest und freut euch auf Ratschläge der etwas anderen Art. Ohne Limits. Ohne Filter. 100 % ODDvice.

In nur ein paar Sätzen heben sie ihre einzigartige Perspektive (zwei Freundinnen aus unterschiedlichen Verhältnissen) und ihren Humor und Stil hervor („eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle. Also haltet euch gut fest und freut euch auf Ratschläge der etwas anderen Art“).

Passe die Folgentitel an deine Marke an

Genau wie ein Film- oder Romantitel spiegeln Titel von Podcast-Folgen die Stimmung des Inhalts wider. Angenommen du hostest einen etwas unkonventionellen Podcast mit Karrieretipps. Welcher dieser (hypothetischen) Titel passt besser dazu?

  • Folge 4: So bekommst du den Job, den du dir wünschst
  • Vergiss Lebensläufe — dieser E-Mail verdanke ich meinen Traumjob

Überlege dir beim Benennen einer Folge: Ist das der richtige Vibe für mich? „Titel wie ‚Folge 47‘ ohne Kontext sind nicht besonders hilfreich für das Publikum und können dich sogar potenzielle Hörer*innen kosten“, sagt Greg.

Achte bei deinen Folgeninhalten auf Einheitlichkeit

Konsistenz ist der Schlüssel für eine aussagekräftige Markenidentität. Wenn du das Format deines Podcasts von Folge zu Folge änderst, ist es schwierig, eine Marke zu etablieren, die Hörer*innen einfach wiedererkennen. Stell dir vor, du bist für deine unterhaltsamen Monologe bekannt und veröffentlichst dann ein formelles Interview. Das würde deine Fans sicher verwirren. Das gleiche Prinzip gilt für die Hauptkomponenten, die du in jeder Folge verwendest. „Die Verwendung einer konsistenten Einführung, Tagline oder Willkommensnachricht gibt Hörer*innen das Gefühl, wieder mit ihren Freund*innen zusammenzusitzen“, sagt Greg.

Verwende Bildmaterial als Ergänzung deiner Stimme

Visuelle Assets vermitteln die Stimmung und die Werte deines Podcasts durch Bilder. Dazu gehören das Cover der Folgen, die Schriftart, das Design der Website, Werbematerialien und die Studioeinrichtung (wenn du einen Video-Podcast hast). Dein Bildmaterial sollte Stil der Show widerspiegeln. Das Ganze klingt jetzt natürlich ziemlich abstrakt. Anstatt dir zu erklären, wie du die Markenelemente am besten gestaltest, haben wir deshalb die Profis bei Spotify gebeten, ein paar Beispiele zu teilen. Den Anfang macht Teenager Therapy, ein auf psychische Gesundheit fokussierter Podcast, der von „fünf gestressten, übermüdeten, aber motivierten Teens“ gehostet wird. Greg weist darauf hin, wie sie eine schlichte Retro-Ästhetik einsetzen, um einen Kontrast zu den ernsten Themen des Podcasts zu schaffen. „Die Visuals zeichnen sich durch sanfte Farbverläufe aus und stehen im Gegensatz zu den kompliziertesten Fragen des Lebens. Das betont, wie widersprüchlich das Leben für Teenager*innen sein kann“, sagt Greg. „Und auf ihrer Website verwenden sie kreative Grafiken und Interaktionsmöglichkeiten, um die Inhalte für ihr Publikum zugänglich zu machen.“

Ein sorgfältig designtes Cover kann die Leute davon überzeugen, in deine Show reinzuhören. Erin erklärt, wie das Cover von „Oddvice“ ihre Aufmerksamkeit erregt hat.

„Für die Gestaltung des Sets wurden kreative und verspielte Muster und Farben gewählt und die Outfits passen perfekt dazu“, sagt sie. „Die große, fette Schrift verankert die ganze Komposition, indem sie sich nur durch die weiße Farbe von dem bunten Hintergrund abhebt. Das ist wichtig, denn du willst schließlich sofort wissen, wie die Show heißt.“ Denk dran, visuelle Assets wirken am besten, wenn sie zur Stimmung deiner Inhalte passen. „Wenn du einen ruhigen Podcast über Schlafmeditation hast, sollte das Bildmaterial zur Stimmung passen“, erklärt Greg. „Grelle, intensive Farben und riesige Schriftarten würden in diesem Fall wenig Sinn ergeben.“ Du bist kein Designprofi? Keine Angst, mit dem Cover-Erstellungstool von Anchor erstellst du ansprechende Cover mit nur wenigen Klicks. Wir haben uns dafür mit Unsplash zusammengetan.

Deine Marke sollte plattformübergreifend einheitlich sein

Unabhängig davon, ob Leute deinen Podcast in einer Audio-App, auf Social Media oder über eine Nachricht von einem*einer Freund*in entdecken, das Branding sollte immer gleich sein. Das hilft, Vertrautheit und Vertrauen bei aktuellen und potenziellen Hörer*innen aufzubauen. Bei dem Überangebot von Inhalten heutzutage ist es wichtiger denn je, eine Marke aufzubauen, die einprägsam und eindeutig deine ist. Ist dir beispielsweise aufgefallen, dass die visuelle Identität von „Teenager Therapy“ auf der Website (oben), der Titelkarte des Video-Podcasts und dem Werbematerial einheitlich ist? Sogar das Set hat dieses spezielle Lo-Fi-Feeling.


Bau deine Marke auf, um mehr Hörer*innen zu gewinnen

Bau es und sie werden kommen ist vielleicht nicht das beste Motto, wenn du noch ganz am Anfang deiner Podcasting-Reise stehst. Die Inhalte, die du produzierst, sind das Herz und die Seele deiner Show, aber du brauchst auch eine starke Marke, die Hörer*innen davon überzeugt, deiner Show eine Chance zu geben – und sie mit anderen zu teilen. „Wie jedes andere Produkt oder jede andere Idee braucht auch dein Podcast eine Persönlichkeit, die ihn zum Leben erweckt, um seinen Platz in der Welt zu etablieren“, so Erin. Vom Cover über den Inhalt bis hin zu Gesprächen, alle Elemente deines Podcast-Brandings bilden zusammen ein Erlebnis, das deinem Publikum im Gedächtnis bleibt. Hast du Fragen zum Podcast-Branding oder vielleicht selbst ein paar Tipps? Schreib uns auf Twitter @anchor.