5. Mai 2022

Wenn du die Power von Video-Podcasts besser verstehen möchtest, dann fang am besten mit einer ganz besonderen Folge von The Diary of a CEO mit Steven Bartlett an. Bartlett ist Unternehmer, Investor bei der britischen Serie „Dragons’ Den“ und Host eines ziemlich erfolgreichen Podcasts.

In seiner Show interviewt Bartlett einflussreiche Persönlichkeiten zu ihrer Geschichte. In dieser besonderen Folge spricht YouTube-Comedian Jack Dean (Jaackmaate) offen über seinen Kampf mit einer Zwangsstörung und Gesundheitsängsten. Die Story nur anzuhören ist schon berührend, aber dabei zuzusehen ist noch mal eine ganz andere Sache. Mit seiner Mimik, den Emotionen in seinen Augen, seiner Körpersprache, seiner Gestik und insgesamt der Energie, die er ausstrahlt, zieht er Zuschauer*innen in seinen Bann und sichert sich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das ist die Wirkung von Video-Podcasts. Steven Bartlett, Schöpfer und Host von „The Diary of a CEO“, hat eine besondere Fähigkeit. Seine Gäste sprechen mit ihm offen über schwierige Themen und erzählen ehrlich von ihrem Leben, was keine einfache Sache ist. Jaackmaate verglich diese Folge mit einer Therapiesitzung, in der er über Herausforderungen sprach, die er zuvor nur mit sehr wenigen Vertrauten geteilt hatte. Zuschauer*innen können diese emotionale Story anhören und auf dem Bildschirm mitverfolgen, was ihr Podcast-Erlebnis vertieft.

In diesem Leitfaden teilt Bartlett einige seiner wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Arbeit als Video-Podcaster. Hier ist alles, was du über das Aufnehmen eines Video-Podcasts wissen musst, um das Niveau von Bartlett und „The Diary of a CEO“ zu erreichen.

Aber zuerst: Warum Video-Podcasts?

Du könntest die gleiche Frage bezüglich Musikvideos stellen. Musik ist in erster Linie eine akustische Kunstform, aber die Wirkung von Musikvideos seit ihrem Aufstieg in den Mainstream Anfang der 1980er Jahre lässt sich nicht leugnen. Musikvideos erwecken Sounds und Worte zum Leben und erzählen die Geschichte eines Songs auf eine neue und besondere Weise.

Video-Podcasts bieten Podcaster*innen die gleiche Möglichkeit. Und weil wir in Sachen Video-Podcasts noch ganz am Anfang stehen, wissen wir noch gar nicht genau, was sich mit diesem Format alles erreichen lässt. Bartlett weist auf drei Hauptvorteile von Video-Podcasting hin:

  1. „Die Zuschauer*innen sehen alle Emotionen.“ Ob Freude, Trauer oder irgendetwas dazwischen, der Ausdruck von Emotionen mit Körpersprache und Gesichtsausdrücken kann eine stärkere Wirkung haben als die Stimme allein.
  2. „Die Persönlichkeit meiner Gäste kommt stärker rüber und sie wirken nahbarer.“ Die Tatsache, dass das Publikum ein Interview anschauen kann, sorgt oft dafür, dass Gäste motivierter sind, freier erzählen oder einfach präsenter sind.
  3. „Ich kann das Filmmaterial schneiden und kurze Clips als Promomaterial auf Social Media veröffentlichen.“ Bartlett teasert seine Videofolgen in Instagram Reels. Dazu veröffentlicht er Gesprächsausschnitte und ältere Medienclips seiner Gäste. Er verwendet Soundeffekte und Musiksamples, um die Vorfreude zu steigern.

Das richtige Setup für einen Video-Podcast

Das Erstellen eines hochwertigen Video-Podcasts fängt beim Setup an. Dieser Aspekt ist extrem wichtig, um Hörer*innen das bestmögliche akustische und visuelle Erlebnis zu bieten, unabhängig von Aufnahmeort und Budget. Folgende Elemente sind für ein erfolgreiches Video-Podcast-Setup essentiell:

  • Ein ruhiger Bereich mit guter Akustik: Das kann ein Aufnahmestudio sein oder ein Zimmer bei dir zu Hause, wie bei Bartlett. „Mein Studio ist eigentlich meine Küche. Ich habe mich entschieden, meinen Podcast zu Hause aufzunehmen, weil die Gäste sich dort anscheinend wohler fühlen als im Studio“, erklärt er.
  • Beleuchtung: Studiobeleuchtung mit einer Softbox macht einen großen Unterschied für die Qualität eines Video-Podcasts. Das Licht wird durch die Softbox durch einen Diffusionsschirm ausgestrahlt, um einen weicheren Effekt zu erzielen. Es macht aber auch nichts, wenn du noch nicht das passende Equipment hast. Achte einfach darauf, dass der Aufnahmebereich so ausgeleuchtet ist, dass deine Show den gewünschten Look hat.
  • Kulisse: Gestalte den Aufnahmebereich so, dass er zum Branding und zum Konzept deines Podcasts passt. Versuche, deine Markenfarben in das Setup zu integrieren, z. B. bei den Möbeln, Bildern, bei der Beleuchtung oder der Garderobe. Bei einem Business-Podcast sollte das Setup eher schlicht und elegant sein. Wenn du einen Podcast über Musik hast, könntest du Instrumente in den Hintergrund stellen. Egal, für welche Kulisse und Ästhetik du dich entscheidest, das Set sollte sauber und ordentlich sein und nicht von dir und den Gästen ablenken.
  • Ein Mikrofon, um das Audio aufzunehmen: Wie bei einem regulären Podcast brauchst du auch hier ein gutes Mikrofon mit Vorverstärkern für die beste Audioqualität. Ob dir ein Mikrofon reicht oder ob du mehrere benötigst, hängt davon ab, ob du Gäste oder Co-Hosts hast. Ein großer Vorteil von Video-Podcasts ist, dass man auch einfach nur zuhören kann. Dein Publikum kann frei entscheiden, wie es deine Show konsumiert.
  • Eine Kamera, um das Video aufzunehmen: Natürlich brauchst du auch eine gute Kamera – oder mehrere, wenn du einen Video-Podcast mit verschiedenen Kameraeinstellungen aufnimmst, wie „The Diary of a CEO“. Verwende einen Camcorder mit einer Auflösung von mindestens 1080p oder eine DSLR-Kamera. Bartlett sagt aber auch, dass für einfachere Setups „sogar die Handykamera ausreichend ist“. Du brauchst außerdem ein Stativ, um die Szene einzufangen und die Kamera zu montieren.

Bartletts Talent und Fähigkeiten machen ihn zu einem der besten Video-Podcaster in der Branche. Sein Erfolg hat es ihm ermöglicht, erstklassiges Aufnahmeequipment zu kaufen. „Vor etwa einem Jahr haben wir beschlossen, unser Podcast-Studio besser auszustatten. Wir haben 40.000 £ in neue Geräte investiert, damit alles so aussieht, wie wir möchten, und der Podcast so filmisch und intim wie möglich wirkt. In unserem Studio verwenden wir derzeit sechs Kameras, zwei Slider und einen Kamerawagen“, sagt Bartlett.

Doch obwohl Bartlett ein erstklassiges Heim-Podcast-Studio besitzt, ist seiner Meinung nach einer der größten Fehler, den angehende Video-Podcaster*innen machen können, „zu denken, dass sie aufs Ganze gehen und viel Geld ausgeben müssen“. Am Anfang ist es am besten, sich langsam hochzuarbeiten. „Nach und nach lernst du, was für dich funktioniert und was nicht.“ Und wenn du dir ein Following aufgebaut hast und deinen Podcast monetarisierst, kannst du bessere Ausrüstung für dein Studio kaufen, so wie Bartlett.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Aufgrund der zusätzlichen Schritte und des größeren Produktionsaufwands solltest du dich auf das Aufnehmen eines Video-Podcasts noch mehr vorbereiten als bei einer Audiofolge. Denk daran, dass das Publikum dich nicht nur hört, sondern auch sieht, also stell sicher, dass du und deine Gäste präsentabel und bereit für die Aufnahme seid. Die visuelle Präsentation ist der erste Schritt, anschließend geht es mit der Vorbereitung des Inhalts weiter.

Erstelle ein paar Wochen oder Tage vor der Aufnahme eine Gliederung mit den wichtigsten Punkten, die du in der Folge besprechen möchtest. Du kannst auch ein ausführlicheres Skript schreiben. Geh den Inhalt ein paarmal durch und mach dich mit der Gliederung oder dem Skript vertraut. Sie bzw. es soll nur als Referenz dienen, wenn du ins Stocken gerätst. Vermeide, den Text vor der Kamera Wort für Wort abzulesen. Das macht keinen guten Eindruck.

Teile deine Gliederung mit deinen Gästen, damit sie sich optimal vorbereiten und schon mal über ihre Antworten nachdenken können. Das sorgt für ein wohl überlegtes und flüssiges Gespräch und einen strukturierten Ablauf. Diese Gliederung muss nicht alles enthalten. Die Unterhaltung darf (und soll!) ruhig ein paar unerwartete Richtungen einschlagen, damit die Folge sich nicht zu durchgeplant anfühlt. Diese spontanen Momente machen einen Podcast schließlich besonders.

Entscheide dich für ein Format

Zu den Vorteilen von Podcasts – ob Video oder nicht – zählen die Flexibilität und die kreativen Möglichkeiten, die sie bieten. Es gibt verschiedene Formate, die du für deine Video-Podcast-Folgen auswählen kannst, und alle haben ihre eigenen Vorteile.

Zunächst haben wir das persönliche Interview. Dieses Format ist laut Bartlett das beste, aufgrund der „Verbundenheit, die du spürst, wenn dir jemand direkt gegenüber sitzt.“ Du kannst eine Kamera verwenden, um alle Beteiligten mit einer Einstellung aufzuzeichnen, oder mehrere Kameras, um zwischen Nahaufnahmen von dir und deinem Gast zu wechseln.

Bei einer Solo-Show sprichst du alleine in die Kamera. Du kannst diese Soloaufnahmen mit Grafiken, Folien, Fotos, Videoclips, Soundeffekten und Musik aufwerten und so für Abwechslung sorgen oder Folgen in einzelne Segmente aufteilen. Dein Publikum findet das sicher ansprechend.

Du kannst auch Interviews aus der Ferne führen und aufzeichnen und daraus einen Video-Podcast machen. Nimm das Remote-Interview einfach auf einer beliebigen Videokonferenzplattform auf und lade die Datei auf Anchor hoch.

Diese drei Formate eignen sich für das Studio oder zu Hause, aber vielleicht möchtest du deinen Video-Podcast ja im Freien drehen. Du könntest an verschiedenen Orten filmen, z. B. in einem Restaurant oder im Park, wo die Akustik und das Licht ideal sind, um Zuschauer*innen mehr zu zeigen.

Du kannst deine Folgen und sogar das gesamte Konzept der Show auf der Grundlage des visuellen Formats so gestalten, wie es mit einem reinen Audioformat vielleicht nicht möglich wäre. Mit Video-Podcasts kannst du dich beispielsweise beim Kochen filmen oder Frisur- und Make-Up-Tutorials aufnehmen.

Bearbeite deinen Video-Podcast

Die Bearbeitung ist ein entscheidender Schritt in der Produktion eines Video-Podcasts. Du kannst Segmente ausschneiden und kürzen, Übergänge, Video- oder Audioclips und Grafiken hinzufügen und die Farben nach Bedarf anpassen. Die Bearbeitung spielt eine größere Rolle, wenn du mehrere Kameras verwendest, da du je nachdem, wer gerade spricht, die Einstellung wechseln musst.

Zunächst brauchst du ein Videobearbeitungsprogramm, mit dem du gut zurechtkommst. Es gibt so viele verschiedene Optionen, also probier einfach ein paar mit kostenlosen Testversionen aus, bis du die passende Software gefunden hast. Eine Sache, die du bei der Bearbeitung beachten musst, ist die Synchronisation von Bild und Ton. Oft passiert es, dass sie nicht ganz aufeinander abgestimmt sind. Unabhängig davon, ob du einen Gast hast oder nicht, kann das Bearbeiten oder Hinzufügen von Übergängen helfen, Pausen zu überbrücken, Segmente zu verbinden oder Themenwechsel zu markieren.

Donnie Beacham vom Podcast-Netzwerk The Ringer hat viele praktische Tipps zur Videobearbeitung.

Promote deinen Video-Podcast

Nachdem du so viel Zeit und Mühe in die Erstellung eines fantastischen Video-Podcasts gesteckt hast, soll er natürlich auch gesehen werden. Es gibt verschiedene einzigartige und aufregende Möglichkeiten, Video-Podcasts zu promoten.

Die meisten sozialen Netzwerke sind auf visuelle Elemente ausgelegt, daher bieten Video-Podcasts jede Menge tolles Material, das du auf deinen Kanälen teilen kannst. Wähle während des Bearbeitungsprozesses einzelne Clips aus, um sie auf TikTok, Instagram (in Reels oder Storys) und Facebook zu teilen, oder poste längere Ausschnitte auf YouTube.

Du kannst einzelne Clips deiner Videofolgen veröffentlichen oder eine ganze Reihe, wie Bartlett. „Ich habe jemanden, der eine Promo für jede Folge erstellt. Dafür werden die besten und wirkungsvollsten Teile des Podcasts ausgewählt und mit Musik und Soundeffekten kombiniert. Ich schneide auch die interessantesten Clips für Social Media und poste sie auf meinen Kanälen“, sagt er.

Wähle die Clips und Soundbites, die das Interesse der Nutzer*innen wecken und sie dazu bringen, die gesamte Folge anzuhören und anzuschauen. Promote die überraschendsten, berührendsten und lustigsten Clips vor und nach der Veröffentlichung der Folge auf deiner Website, auf Social Media und mit E-Mails.

Wir sind alle noch keine Vollprofis in Sachen Video-Podcasts

Video-Podcasting gibt es noch nicht sehr lange auf Spotify und die Best Practices rund um die Aufnahme werden sich mit dem Format selbst weiterentwickeln. Es ist ein bisschen komplizierter als Audio, aber Video eröffnet Podcaster*innen völlig neue Möglichkeiten und gibt deinem Publikum eine weitere Art und Weise, deine Show zu konsumieren.

Wenn du lernen möchtest, wie du richtig gute Video-Podcasts aufnimmst, musst du auf jeden Fall Verschiedenes ausprobieren. Wie Bartlett sagt: „Fang einfach an – Learning by Doing ist eine effektive Methode. Mach die Show jedes Mal ein Stückchen besser. Und selbst wenn die Verbesserung nur minimal ist, summiert sich das mit der Zeit.“

Jetzt bist du dran – erstelle deinen eigenen Video-Podcast. Melde dich bei Anchor an, um loszulegen, oder schau dir diese Videoanleitung an. Dann kann die Show beginnen.